GEBUS Lokomotiv-Werke Wien/Salzburg

Von Andreas Christopher

Die Firma GEBUS Lokomotiven-Gesellschaft mit Sitz in Salzburg wurde 1923 gegründet. Der Name GEBUS setzte sich aus den Anfangsbuchstaben der Firmeninhaber Moriz GElinek, Adolf BUchleitner und Franz Strizek zusammen. Während die ersten Lokomotiven auf dem eigenen Gelände in der Neuhauserstraße in Salzburg-Gnigl entstanden, konnte die Firma GEBUS bald in der Fürnbergstraße in Salzburg-Parsch einen Teil der großen Montagehalle der Firma Brückenbau Janisch mieten, welche sich für den Lokomotivbau gut eignete. Zunächst wurden dieselelektrische Feldbahnlokomotiven gefertigt, 1924/25 wurde dann die erste Regelspurlokomotive gebaut.

Moriz Gelinek (* 30. April 1887, 24. Januar 1979) hatte das soganannte "GEBUS-System" erfunden, das war der benzin- bzw. dieselelektrische Antrieb bei Eisenbahnfahrzeugen. Dieses System wurde 1926 patentiert. Gelinek war also ein Pionier, was den Antrieb von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren betrifft. Die Kraftübertagung und die Geschwindigkeit konnte hier stufenlos geregelt werden im Gegensatz zum mechanischen Antrieb.

Im Jahre 1928 wurde die alte Firma GEBUS-Lokomotiven Gesellschaft Ing. M. Gelinek & Co. in die neue Ing. Moriz Gelinek und Ing. Otto Judtmann, GEBUS-Lokomotiven-Konstruktions- und Vertriebsgesellschaft eingebracht und der Firmensitz nach Wien VIII, Langegasse 5,  verlegt. Hauptzweck des Unternehmens war es jetzt, Lizenzen für das GEBUS-System an bedeutende Lokomotiv- und Waggonfabriken zu verkaufen. Es wurden aber weiterhin eigene Lokomotiven gefertigt. Die Werkstätte in Parsch wurde zunächst als Reparaturbetrieb für GEBUS-Lokomotiven und für Autos weitergeführt.

Zahlreiche Lokomotiven und Triebwagen im In- und Ausland wurden in der Folge mit einem Antrieb nach dem GEBUS-System ausgestattet, so z.B. der Schnelltriebwagen "Fliegender Hamburger" der Deutschen Reichsbahn und Schnelltriebwagen für Frankreich, Belgien und die Niederlande. Aber auch Privatbahnen orderten GEBUS-Antriebe für ihre Fahrzeuge, z.B. die Centralverwaltung für Secundairbahnen Hermann Bachstein für ihre Strecke Börßum - Wasserleben und Neuhaldensleben - Eilsleben.

1944 verstarb Otto Judtmann, danach war Moriz Gelinek alleiniger Geschäftsführer von GEBUS. Zu Kriegsende wurde die Werkstätte am Nordbahnhof in Wien völlig zerstört, so dass Gelinek sich wieder auf den Standort Salzburg konzentrierte und den Firmensitz wieder nach Salzburg in die Alpenstraße 40 verlegte, während in Wien Nordbahnhof nur noch eine kleine Betriebsanlage bestehen blieb. Nach dem Krieg fertigte GEBUS noch eine Anzahl an schmal- und normalspurigen Werksbahnlokomotiven nach dem GEBUS-Prinzip. Ab 1957 kam der Bau von BREUER-Lokomotoren in Lizenz dazu.

Die Firma GEBUS litt ständig unter Mangel an Betriebskapital. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwuchs durch die Jenbacher Werke eine starke Konkurrenz. So musste man 1961 Konkurs anmelden, die letzten Loks wurden 1962 ausgeliefert und 1965 wurde die Firma aufgelöst.

Herr Ing. Struppe war ursprünglich ein Mitarbeiter der Firma GEBUS. Die Firma Struppe übernahm den GEBUS Lokomotivservice und war bis in die neunziger Jahre auch so im Telefonbuch vermerkt. Daneben befasste sich Struppe mit dem Bau von Werkzeugmaschinen, dem Aufzugsservice und baute auch einige Akkulokomotiven, so für die Spitalsbahn in Lainz, die U-Bahn in Wien und den fernen Osten. Auch waren alle sechs ELIN-Akkulokomotiven der österreichischen Salzbergwerke in Hallein, Bad Ischl und Hallstatt mit Fahrgestellen bzw. Achsen Marke Struppe ausgestattet. Der Fahrzeugteil stammte also von Struppe und der elektrische Teil von ELIN.

Literatur zum Thema GEBUS:
Floimair, Roland (Hrg.): Moriz Gelinek - Leben und Werk. Der Salzburger Eisenbahn-Pionier. (= Schriftenreihe des Landespressebüros, Serie Sonderpublikationen, Nr. 127), Salzburg 1996

GEBUS Lieferliste der Vorkriegsloks

GEBUS Lieferliste der Nachkriegsloks
GEBUS Fotos einiger Nachkriegsloks
 
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